|
|
|
Ergreifende
Momente
.... Sie ist
beeindruckend, die Geschichte des Saulus, der zum Paulus wird. Auch
musikalisch. Felix Mendelssohn Batholdy machte aus ihr ein
Oratorium, das nicht nur inhaltlich schwere Kost ist, sondern auch
an den Chor hohe Ansprüche stellt.
Der Propsteichor St.
Lamberti unter der Leitung von Konrad Suttmeyer ließ sich davon aber
nicht abschrecken. Gemeinsam mit dem Oratorienchor Essen, dem
Collegium Vocale St. Theresia, Essen, Musikern der Essener
Philharmonie und Solisten brachte er am Sonntag dieses Mammutwerk
zur Aufführung.
Mendelssohn selbst legte den Schwerpunkt des ersten Teils auf die
Wandlung des Paulus. Der Teil beginnt mit einer Einleitung,
angeführt durch eine instrumentale Ouvertüre, zu Beginn sehr
stimmungsvoll, fast meditativ, dann erzählerischer und mit
dramatischen Spritzen. Sie führen ein in die erste Szene des
Oratoriums, die Steinigung des Stephanus. Er verkündet das
Evangelium und wird dafür von einer fanatischen jüdischen Menge der
Gotteslästerung beschuldigt.
Geradezu unheimlich ist dieser Moment im Stück, wenn der Chor an das
Rezitativ des Stephanus, gesungen von dem Tenor Jörg Nitschke,
anknüpft und singend ausruft: „Weg mit dem!".
Im Moment des Todes Stephanus' zeigt das Oratorium vor allem die in
Rage geratene Meute, in deren Rolle immer wieder die Chöre
schlüpften. Und die interpretierten diese Szene ergreifend, intensiv
und ausdrucksvoll. Auch stimmlich überzeugten die Sänger, denen es
gelang, sich wie die Menge in eine Ekstase zu steigern. Bei den
zahlreichen Besuchern in der voll besetzten Kirche sorgte das nicht
nur für Gänsehaut, sondern auch für Kopfkino.
Und gleich darauf folgte ein weiterer Höhepunkt: die Be-gegnung des
Saulus mit Jesus.
Der Tenor schlüpfte hier in die Rolle des Erzählers, der sonore Bass
Hans Griepentrog sang den Saulus, und der Chor sang Jesus, der dem
Sünder die Augen öffnet, indem er ihn für drei Tage erblinden lässt.
Es ist die Schlüsselszene des Oratoriums, die dank der gelungenen
und konzentrierten Darbietung aller Beteiligten zu einem wirklich
ergreifenden Moment wurde.
Und auf solch hohem Niveau setzte sich die Aufführung fort. Die
Chöre überzeugten mit ihrer technisch einwandfreien Darbietung,
berichteten im Zusammenspiel mit den Musikern und Solisten im
zweiten Teil von den Missionstätigkeiten des Paulus bis hin zu
seinem angedeuteten Tod. Das Finale, ein Rezitativ der Sopranistin
Christine Alexander, und der Schlusschor, eine gewaltige
Lobpreisung, untermauerte noch einmal die Botschaft des Oratoriums,
das durchaus als gesungenes Glaubensbekenntnis verstanden werden
kann.
...
(Auszug aus der Kritik in der WAZ vom 21.11.2011)
|
|
|
|
|
Kaum hörbares Bitten um die ewige Ruhe
Giuseppe Verdis „Messa da Requiem" in Sankt Ludgerus
Werner Häußner
Im
düsteren November ist Requiem‑Zeit: Allerseelen, Totensonntag, und
vorgestern Volkstrauertag. Dazu ‑ und zu Rossinis Todestag ‑ passt
die monumentale „Messa da Requiem" von Giuseppe Verdi. Sankt
Ludgerus in Rüttenscheid war trotz Dauerregens voll. Jörg Nitschke
hatte drei Chöre aufgeboten: das Collegium Vocale St. Theresia, den
ebenfalls von ihm geleiteten Oratorienchor Essen, dazu den
Oratorienchor der Cappella Villa Duria aus Düren.
Nachdruck im Klang war also gesichert ‑ und Qualität - auch. Das
kaum hörbare Bitten um die „ewige Ruhe" zu Beginn, das aufstrahlende
„ewige Licht", die brachialen Wogen des „Dies Irae" gelangen. Dass
bei drei Chören auch einmal Nahtstellen bloß liegen, verwundert
nicht: Der eine oder andere Einsatz kam nicht auf den Punkt.
Das Orchester, unter anderem gebildet aus Mitgliedern der Essener
Philharmoniker, hatte im nachhallarmen Innenraum der Ludgeruskirche
alle Chancen, Sorgfalt im Detail zu zeigen Dirigent Nitschke
forcierte das Tempo nicht, ließ Sängern wie Musikern Zeit, Phrasen
zu gestalten, spannend aufzubauen und selig zu lösen.
Der Rhetorik von Verdis früher als opernhaft verschrieener
Komposition kam diese Freiheit zugute. Vor allem die innigen Momente
glückten: das verhaltene „Lacrymosa" etwa, oder das weiträumig
gestaltete „Ingemisco". ............
(Auszug aus der Kritik in der WAZ vom 16.11.2010)
|
|
|
|
A. L. Webber: Requiem
„Nicht Mozart, nicht Brahms, nicht Verdi. Sondern: Andrew Lloyd
Webber! Dessen Requiem hat kaum ein Chor im Repertoire. Warum
eigentlich? Vielleicht, weil man dem Komponisten von "Starlight
Express" und "Das Phantom der Oper" ein solches Werk nicht zutraut.
Zu Unrecht, wie man in der sehr gut besuchten Kirche St. Theresia in
Stadtwald jetzt eindrucksvoll erleben konnte. Unter der Leitung von
Jörg Nitschke widmeten sich der Oratorienchor, die Essener
Vocalisten und ein Projektchor der Gemeinde gemeinsam dem 1985
uraufgeführten Werk, das zwar publikumswirksam, aber keinesfalls
oberflächlich ist.
Im Gegenteil: Diese Totenmesse, der Webber den traditionellen
lateinischen Text zugrunde gelegt hat, verfügt über durchaus
tiefgehende Dramatik. Wie der Chor damit umgeht, war absolut
überzeugend. Vor allem die dicht aufeinander folgenden Stil- und
Rhythmuswechsel gelingen großartig. Auch die stimmlichen Qualitäten
werden immer wieder hörbar, etwa im geheimnisvoll anmutenden "Lacrimosa".
Für emotionale Momente sorgen nicht zuletzt die Solopartien, die mit
Sabine Schneider (Sopran) und Berthold Schmidt (Tenor) kompetent
besetzt sind. Eine Besonderheit ist die Einbindung von
Knabensopranen; die drei Solisten der Essener Domsingknaben füllen
die Partien glänzend aus. Mit effektvollen Kontrasten hat Webber
schließlich den Orchesterpart versehen, den die Musiker - darunter
Mitglieder der Essener Philharmoniker - mit viel Klangintensität
umsetzen. [...]“
Westfälische Allgemeine Zeitung, 19.11.2007
|
|
|